Dorfsplitter Holzhausen, Leipzig

Foto der Woche: Tongrube Holzhausen, 19. März 2012, 18.04 Uhr

Kirche, Doppeladler, Bahnhof, Mühle – begibt man sich auf die Suche nach aktuellen Bildern von Holzhausen, sind es immer wieder diese vier Motive, die sich vorrangig in die Blickrichtung schieben.

Gotteshäuser, Denkmäler, Haltepunkt mit Schranke – sind das aber wirklich die einzig fotogenen Plätze im Dorf?

Nein, weit gefehlt. Eigentlich ist auch die Gemeinde zwischen Rietzschke und Pösgraben ein sehr facettenreicher Ort; nur hat eben die eine oder andere Ecke noch nicht soviele Kameras gesehen.

Völlig unterbelichtet zum Beispiel ist die Tatsache, dass das schöne Dorf am Ostende der Sachsenmetropole auch eine Seeseite hat. Die wässrige Idylle findet sich am Fuße des Colmbergs. „Baggersee Holzhausen“ ist im elektronischen Stadtplan auf leipzig.de über das Gewässer vermerkt, das im Ort selbst einfach „Tongrube“ genannt wird.

„Wüste Mark Liprandisdorf“ heißt laut Karte im messestädtischen Telefonbuch die Gegend, in der der Wasserspeicher zu finden ist.

Zugegeben: Das Holzhausener Gewässerreich ist zwar sehenswert, mit 100 Metern in der Breite und vielleicht 200 Metern Länge aber nicht unbedingt überdimensioniert. Seetauglich sind dafür wiederum die Ausstattungsmerkmale: stahlblaues Nass, Schilf und sattes Grün gehören dazu.

Entstanden ist die Idylle wohl durch einstmals hier betriebenen Tonabbau. Am Südrand des Gewässers sind noch heute Schienen einer ehemaligen Werkbahn zu finden. Der Rohstoff im Boden wiederum ist das Damoklesschwert, das unsichtbar über diesem Kleinod schwebt. Ein bayrischer Unternehmer hat vor einigen Jahren Bedarf angemeldet, hier wieder Ton abzubauen.

Das Vorhaben hat 2009 für ordentlich Aufregung im Dorf gesorgt. Zwischenzeitlich aber wurde es um die Sache wieder still. Die Angelegenheit lag zur Überprüfung beim Sächsischen Oberbergamt – dort vielleicht schlafende Hunde wollte man von Holzhausen aus nicht wecken.

Anfang 2011 gab es von der Freiberger Behörde die Meldung, dass man noch auf einige nachgeforderte Papiere warte. Bergamts-Sprecher Horler damals: „Wenn die Unterlagen vorliegen, übergeben wir diese innerhalb eines Monats erneut an die Träger öffentlicher Belange. Dazu zählt auch die betroffene Kommune, die für die ausreichende Information der Öffentlichkeit sorgt. Nach der Auslage der Unterlagen stehen wir dann auf einem Erörterungstermin in der Region für alle Anfragen, Einwendungen und dergleichen zur Verfügung.“

Danach kam wieder eine ganze Weile nichts; dummerweise aber eben auch nicht die Meldung, dass die Sache abgeschlossen sei. Am 6. März 2012 tauchte das Wort „Tontagebau“ wieder einmal bei der Ortschaftsratssitzung auf.

Dabei ging es aber scheinbar nicht um Holzhausen, denn in der Ankündigung hieß es lediglich: „Information zum Tonabbau in Liebertwolkwitz“. Was genau dabei besprochen wurde, wird im Protokoll nachzulesen sein.

Da der Ausgang weiter offen scheint, liegt dem Oberbergamt seit 13. März eine neue Anfrage vor, was aus der Prüfung des Vorhabens geworden ist. Was aber auch immer geschieht: Das vermehrte Ablichten der bisher wenig beleuchteten Holzhausener Seeseite kann sich auch für den Fall lohnen, dass die Idylle nicht durch einen Tontagebau gestört wird.

Dann wäre die Grundlage geschaffen, immer öfter zeigen zu können, dass es im Rietzschke-Dörfchen neben Kirche, Bahnhof, Mühle und Doppeladler auch noch andere schöne Ecke gibt.

Falls es aber doch noch geschieht, dann wären Fotodokumente von heute umso wichtiger – um später zeigen zu können, wie schön es hier einmal vor dem Tontagebau war.

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